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Flugbootpilot

Ein Flugbootpilot zu sein, das wäre es. Ein schöner Beruf bei dem man rumkommt und wenn man landet wassert man. Schon mal cool. Man kann sich einen Flugbootpiloten nur als einen glücklichen Menschen vorstellen. Ein Leben über den Wolken und nachts schaukelt das Flugboot so sanft auf den Wellen. Und wenn der Flugbootpilot eingeschlafen ist, träumt er davon ein Flugbootpilot zu sein.

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Der Präsident

Die Präsidentengattin: Schatz, putzt du noch das Bad?
Der Präsident: Ich putze nicht, ich säubere!
Die Präsidentengattin: Jaja, aber nicht wieder so dolle!
Der Präsident: Doch! Dolle!
Die Präsidentengattin: Du schrubbst uns noch die ganzen schönen Goldfliesen kaputt.
Der Präsident: Ich kann Schmutz nicht ausstehen! Schmutz beleidigt mein Präsidentenauge. Schmutz muss weg!
Die Präsidentengattin: Schnäuzelchen, übertreib doch nicht immer so.
Der Präsident: Ich bin der Präsident, ich übertreibe wann ich will. Was hätte das denn sonst für einen Sinn?
Die Präsidentengattin: Jaja, dann lass ich dich eben einfach machen.
Der Präsident: Genau, lass mich nur machen! Wirst schon sehen!

Flüchtlingskrise

Ich habe die Lösung für die Flüchtlingskrise gefunden. Anstatt den Banken Geld zu geben und sie dann mit Nullzinsen zum Verteilen zu ermuntern, geben wir das Geld den Flüchtlingen. Einen Batzen Geld pro Flüchtling und schon sind sie überall willkommen. Reiche Menschen mag schließlich jeder gern und dann würden sich auch jetzt noch spröde Länder darum kloppen möglichst viele aufzunehmen.

Das Geld für Zäune können wir uns dann sparen und weil die Flüchtlinge Geld haben können sie keine Wohlstandsflüchtlinge sein was gleich noch einen Teil des Populistenproblems löst. Die übrig gebliebenen Rassisten schicken wir in Integrationskurse die wir von den Steuern der Neubürger bezahlen. Das ist natürlich total unrealistisch, so absurd wie die Vorstellung dass Konzerne keine Steuern zahlen oder der Staat Abwrackprämien für Autos.

Brexit, Der

Brexit, Der. Ein Ereignis dass eintritt oder auch nicht, in einem oder zwei Jahren oder auch nie. Als Brexit bezeichnet man einen “Freak accident” der Geschichte. Als Entdecker des Brexits gilt Erwin Schrödinger. In einem berühmten Gedankenexperiment stellte er sich vor was wohl passieren würde wenn man eine Katze und ein paar Millionen Briten in eine Kiste sperrte. Das Ergebnis war immer dasselbe: Die Katze war tot und die Briten beschuldigten die EU sie zu Tode reguliert zu haben. Brexits kommen trotz Ankündigung immer total überraschend und können mit den Gesetzen der Logik nicht erklärt werden, die Wissenschaft hofft aber durch den Einsatz von Quantencomputern und Brit Data in Zukunft auf bessere Prognosen.

Aus “Lexikon der Logiklöcher”. K. Gödel, B. Russell et al. Oxbridge University Press.

Workshop

Sie haben nicht mehr alle Tassen im Schrank und fühlen sich verfolgt und beleidigt und auch allgemein ungerecht behandelt? Machen Sie bloß keine Therapie! Werden Sie lieber Politiker und raunen Sie dumpf auf Marktplätzen, Facebook und in Talkshows herum. Die Chancen stehen nicht schlecht und aus Ihnen wird vielleicht der nächste Präsident eines prächtigen Landes. Der Vorrat an Trotteln scheint unerschöpflich, auch für Sie und ihre Partei werden sich genug finden lassen.

Seien Sie kreativ, hauen Sie richtig auf die Kacke. Sie sind ein Volkserschrecker. Machen sie den kleingeistigen Leuten richtig Angst, denn wer Angst hat macht dummes Zeug und dann werden Sie gewählt. Es ist wirklich ganz einfach. Hysterie wird heute mit Leidenschaft und Meinungen mit Argumenten verwechselt. In meinem Workshop “Vom Versager zum Volkstribun” zeige ich Ihnen alle Tricks die Sie für eine kometenhafte Politkarriere benötigen.

Donald J. T.: “Dieser Workshop hat mein Leben verändert. Früher war ich einfach nur ein reicher Sack mit schlechtem Geschmack. Bald kann ich Mexiko einmauern und habe meine eigenen Atomraketen.”

Recep T. E.: “Ich hätte das alles auch ganz alleine geschafft, aber ein paar nette Ideen habe ich mitgenommen.”

Wladimir W. P.: “Vom kleinen Schnüffler zum Obermacker in nur ein paar Jahren. Ein Kinderspiel! Bääm!”

The Tragedy of Macbrexit

“When shall we three meet again
In thunder, lightning, or in rain?

When the hurlyburly’s done,
When the battle’s lost and won.”

William Shakespeare. The Tragedy of Macbrexit.

Berlin

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Berlin, gebaut auf märkischem Sand und bayerischem Geld. Amazonasbreite Bürgersteige und russische Botschaften von der Größe eines kleineren deutschen Mittelgebirges. Ein neugebautes altes Schloss, so filigran wie ein Panzer, von Touristen auf Segways umschwirrt. Die Einwohner, weniger ruppig als oft behauptet wird, sind voll des Lobes für ihre Stadt. “Kann man nicht meckern” heißt es dann und mehr Begeisterung ist von einem Berliner nicht zu erwarten. Schade eigentlich, ist Berlin doch der einzige Ort an dem Ossis und Wessis friedlich zusammen leben. Es geht also! Völker Deutschlands, schaut auf diese Stadt, dieses Kulturhabitat der anziehenden Gegensätze. Seid Berlin, wenigstens ein bisschen, aber auch nicht zu sehr, denn wir warten schon auf den nächsten Scheck.

Am Boden

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Die Junkies und Alkoholiker liegen wie weggeschnipste Kippen in den Hauseingängen und den Ecken der Bahnhöfe. Sie sind aufgebraucht und zu Asche verglüht, zertretene Seelen am Boden der Tatsachen. Dort liegen sie und sehen wie wir sie meist nicht sehen. Körper ohne Resonanz, unansehnliche Hüllen in einer Welt der Oberflächen.

Ungeduld

Ich will es gleich. Ich will’s instant.
Ich will die Taube in der Hand.

Inventur

Beim Kaiser’s um die Ecke wird Inventur gemacht. Angeödete Mitarbeiter einer Fremdfirma zählen Schokoriegel* und Suppendosen, selbst die Plastiktüten unter dem Kassenband werden akribisch erfasst. Quantified shelf. Der Kunde König wird unsanft an das heranrückende Jahresende erinnert. Schon wieder eins vorbei? Ging aber schnell. Eine überschlägige persönliche Bilanz ergibt: Eigentlich nur Quatsch gemacht.  Könnte aber, siehe Weltlage*, weitaus schlimmer sein. Zuhause angekommen esse ich Schokoriegel und zähle meine Plastiktüten (11).

*Die Rechtschreibprüfung von WordPress schlägt statt Schokoriegel Kriegerisch  vor.

 

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